Biodiversität im Zürcher Weinbau: Ein Zusammenspiel von Natur und Kultur

Der Weinbau im Kanton Zürich ist weit mehr als die Erzeugung hochwertiger Weine. Mit einer bestockten Rebfläche von rund 604,6 Hektaren (Stand 2024) ist Zürich der bedeutendste Weinbaukanton der Deutschschweiz. Unsere Reblandschaften sind wertvolle ökologische Infrastrukturelemente, die in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft als wichtige Rückzugsgebiete für bedrohte Arten dienen.

Warum ist Biodiversität im Weinberg so wichtig?

Biodiversität umfasst die Vielfalt der Arten, die genetische Vielfalt innerhalb dieser Arten sowie die Vielfalt der Ökosysteme. Für den Weinbau bietet ein intaktes Naturgefüge entscheidende Vorteile:

  • Natürliche Schädlingsregulierung: Ein stabiles Nahrungsnetz fördert Nützlinge wie Raubmilben, Florfliegen und Zwergwespen, die Schädlinge auf natürliche Weise regulieren.
  • Gesunde Böden: Eine vielfältige Begrünung schützt vor Erosion, verbessert die Wasserspeicherkapazität und fördert die Humusbildung.
  • Klimaresilienz: Diversifizierte Weinberge sind widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen und Krankheitserregern.
  • Landschaftsqualität: Artenreiche Rebberge prägen das Bild unserer Region und sind ein geschätzter Raum für Erholung und Tourismus.

Regionale Besonderheiten: Die fünf Zürcher Weinbaugebiete

Jedes der fünf Zürcher Weinbaugebiete trägt durch seine spezifische Topografie und Bodenbeschaffenheit zur kantonalen Artenvielfalt bei:

  • Zürcher Weinland: Hier befinden sich die grössten zusammenhängenden Flächen. Der Fokus liegt auf Vernetzungskorridoren und der Schaffung von Kleinstrukturen wie Asthaufen für Kleinsäuger.
  • Zürcher Unterland: Die Region ist geprägt durch Jurakalk und Moränenböden. Besonders wichtig ist hier der Erhalt historischer Trockenmauern als wertvolles Reptilienhabitat.
  • Limmattal: Die urbanen Rebberge verfügen über eine hohe thermische Kapazität. Dies macht sie zu einem wichtigen Standort für wärmeliebende Insektenarten.
  • Zürichsee: Die Steillagen mit der Reflexion des Sees dienen als Refugium für den historischen Räuschling und seltene Frühlingsgeophyten.
  • Stadt Zürich: Die urbanen Rebberge (z. B. am Burghölzli) fungieren als unverzichtbare „Trittsteinbiotope“ im Siedlungsraum und fördern aktiv den ökologischen Austausch.

Innovative Wege zur Förderung der Vielfalt

PIWI-Sorten: Die Zukunft der Genetik

Ein zentraler Hebel für mehr Ökologie ist der Anstieg von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWI). Im Kanton Zürich sind bereits 42 rote und 26 weisse PIWI-Sorten erfasst. Sorten wie Souvignier Gris oder Divico ermöglichen eine drastische Reduktion des Fungizideinsatzes und schützen so die Flora und Fauna im Weinberg direkt.

Das Ressourcenprojekt ZiBiF

Zürich nimmt eine Vorreiterrolle ein: Mit dem Projekt «Zielorientierte Biodiversitätsförderung» (ZiBiF) (2020–2027) wird die ökologische Qualität honoriert, nicht das Befolgen starrer Regeln. Winzer erhalten Beiträge basierend auf der tatsächlich erreichten floristischen Vielfalt auf ihren Flächen. Das stärkt die Eigenverantwortung und fördert kreative, am Standort angepasste Lösungen.

Botanische Kostbarkeiten: Frühlingsgeophyten

In den Zürcher Rebbergen finden sich seltene Zwiebelpflanzen wie der Acker-Gelbstern (Gagea villosa) oder der Weinberg-Lauch. Diese «Frühlingsgeophyten» benötigen offene Bodenstellen. Zürcher Winzer fördern diese Arten gezielt durch angepasste Bodenbearbeitung, die den Pflanzen die nötige Ruhezeit während ihrer Vegetationsphase lässt.

Lebensraum für spezialisierte Fauna

In enger Zusammenarbeit mit Organisationen wie BirdLife Zürich wurden zahlreiche Aufwertungsprojekte realisiert.

  • Vögel als Indikatoren: Arten wie die Zaunammer, die Heidelerche oder der Wiedehopf finden in strukturreichen Rebbergen Nahrung und Nistplätze.
  • Reptilien & Kleinstrukturen: Durch den Bau von Trockenmauern und das Anlegen von Steinhaufen (z.B. in Trüllikon oder Oberstammheim) werden Lebensräume für die Schlingnatter und Zauneidechse gesichert.
  • Insekten & Bestäuber: Blühende Fahrgassen und Saumbiotope bieten Wildbienen und Schmetterlingen eine lebenswichtige Nahrungsgrundlage.

Unser Engagement

Der Branchenverband Zürcher Wein setzt sich für einen Weinbau ein, der wirtschaftlichen Erfolg mit ökologischer Verantwortung verbindet. Die Vernetzung von Lebensräumen ist unser Schlüssel zu einer resilienten und vielfältigen Kulturlandschaft.

Entdecken Sie die Vielfalt im Glas und in der Natur – beim Kauf von Zürcher Wein unterstützen Sie aktiv den Erhalt unserer lokalen Biodiversität.